Rundreise durch den Osten der USA

1998 haben wir, meine Frau und ich, im Herbst eine individuelle Rundreise durch die nördlichen Oststaaten der USA gemacht und ich möchte nun allen Reiselustigen unsere Erfahrungen und Erlebnisse hier weitergeben.

Die Reiseroute ging von Boston nach Plymouth, Philadelphia, Washington, Williamsburg, Charlottesville, in den Shenandoah-Park dann ins Gebiet der Amish-People, Harrisburg, weiter über Buffalo an den Niagara-Fall, an Lake Ontario entlang in die White Mountains und von dort aus zurück nach Boston. Wie schon bei unseren vorherigen USA-Reisen hatten wir die Flüge, das Auto und das erste Hotel hier in Deutschland in einem Reisebüro vorgebucht. Die Motelbuchungen habe ich dann über das Internet bei der Hotelkette "Best Western" gemacht, hier gab es zu unserem Erstaunen sogar einen Rabatt für Kunden über 55 Jahre. Alle Buchungen waren korrekt und die Reservierungen mit einer Confirmation-Number bestätigt. Der Flug ging von unserem Heimflughafen Münster-Osnabrück nach Frankfurt, von dort nach London und dann nach Boston, unserer ersten Station. Unser Hotel dort lag aus Preisgründen ( die Hotels in Boston sind abartig teuer, wenn sie in der Stadt liegen !) an der westlichen Peripherie der Stadt, aber eine U-Bahn-Station war in der Nähe, so dass wir unsere Stadtbesichtigungen von dort aus unternehmen konnten. Boston hat uns auf Anhieb gefallen, viele alte Gebäude aus den Tagen der Besiedelung Neuenglands, schöne Parks und eine reizvolle Mischung von alt und neu überall. Der sog. Freedom-Trail führt durch die Stadt an allen historischen Gebäuden vorbei. Wir haben eine Stadtrundfahrt bevorzugt und sind, um einen Überblick zu bekommen, auf den Hancock-Tower gefahren, ein Hochhaus mit toller Sicht über die ganze Stadt.

Rathaus Hancock-Tower Stadtblick

Auf dem Weg von Boston in den Süden kamen wir nach Plymouth. Dieser Ort wurde berühmt, weil dort 1620 die Pilgerväter auf der "Mayflower" landeten. Heute kann man eine Nachbildung dieses berühmten Auswandererschiffes bestaunen, die Mayflower II, die 1957 von England aus nach Plymouth segelte. Außerdem gibt es einen Stein zu besichtigen, den "Plymouth Rock", der angeblich die Stelle ist, an der die Pilgerväter damals an Land gingen.

Die Mayflower II

Von Plymouth aus ging es dann mit dem Mietwagen durch Rhode Island, Connecticut, an New York vorbei nach Philadelphia. Dort hatten wir wieder an der Peripherie unser Motel gebucht, um dann am nächsten Tag die Stadt zu erkunden. Hier steht die berühmte Freiheitsglocke im Independence National Historical Park neben vielen andren historischen Gebäuden. Auch die Münzanstalt der USA und die Freizeitanlagen am Delaware River, Penn´s Landing, haben wir besichtigt.

die Liberty Bell Am Delaware River

Weiter ging es südwärts bis nach Washington. Klar: Hotel in der Nähe einer U-Bahn-Station und das Auto stehen lassen, wie immer in großen Städten der USA. Die erste Überraschung in der Hauptstadt der USA war die U-Bahn. Sauber, mit Teppichboden, schon fast edel. Und man ist im Nu bei den Hauptsehenswürdigkeiten, die Station zu Aussteigen: "Smithsonian". Wer nun meint, man könne eben einmal zu Fuß alles besichtigen, der erlebt eine Überraschung. Die Entfernungen sind groß vom Capitol zum Weißen Haus oder zum Washington Monument. Aber eine Buslinie fährt in regelmäßigen Abständen alle wichtigen Gebäude  ab. Man kann, nach Lösen eines Besichtigungstickets, immer da aussteigen, wo es sich lohnt und später wieder zur Weiterfahrt einsteigen. So sahen wir das Capitol, die vielen sehenswerten Museen dort, das Weiße Haus natürlich, Kennedy´s Grab in Heldenfriedhof Arlington, der uns sehr beeindruckte.

Capitol Weißes Haus Kennedy´s Grab in Arlington

Weiter südwärts führte uns unser Reiseplan in das Örtchen Williamsburg. Die alte Hauptstadt Virginias wurde wieder in den Zustand von vor 300 Jahren versetzt, Ca. 150 Gebäude, so noch vorhanden, wurden restauriert oder rekonstruiert. "Historical Williamsburg" nennt sich dieser beachtenswerte Stadtteil. In den Handwerksbetrieben wird, wie früher, in historischen Kostümen gewerkelt, in den Tavernen kann man Essen und Trinken wie damals. Alles in Allem sehr beachtenswert, wenn auch der Eintritt recht hoch ist.

Die Bewohner in historischen Kostümen Straßenfront

Von Williamsburg ging es weiter über Richmond nach Charlottesville. Hier hat der frühere amerikanische Präsident und Hobbyarchitekt Thomas Jefferson sich ein sehenswertes Haus gebaut mit Namen Monticello. Eine wunderschöne Gartenanlage umgibt das Haus. Nahebei ist eine alte Schenke aus den Jahre 1735, Michie Tavern, in der Gerichte und Getränke aus dem Kolonialzeit angeboten werden.

Monticello
Unsere Rundreise führte uns dann in den wunderschönen Shenandoah-Nationalpark, ein Gebirgszug, der über 128 km lang ist und über 900m hoch. Die auf dem Kamm der Höhenzuges verlaufende Panoramastrasse Skyline Drive ist die eigentliche Attraktion, zumal oft Reh- und Hirschwild vertraut ähst und sich vom Auto aus beobachten lässt. An beiden Seiten der Strasse hat man einen wunderschönen Blick in die grünen Täler.

 

Wildbeobachtung Fauna und Flora

Die weitere Station unserer Reise war Harrisburg, Gettysburg und Lancaster, es ging in das sogenannte Amish Country. Hier ist die Landwirtschaft zu Hause, viele Farmen mit den so USA-typischen Silos und Scheunendachformen. In diese Gegend leben noch viele Amish-Familien, die wegen ihres Glaubens jedwede moderne Technik ablehnen, also keine Autos fahren und ihre Höfe noch zu betreiben wie wir im 19. Jahrhundert( man achte einmal auf die aktuelle Renault-Werbung! ). In Gettysburg haben wir uns dann das historische Schlachtfeld des amerikanischen Bürgerkriegs angesehen. Gepflegte Teerstrassen führen durch das Gelände, wecles über all mit Gedenksteinen und anderen Landmarks überseht ist. Die Amerikaner betrachten dort alles mit Erfurcht, was nun wir nicht so recht verstehen konnten, aber viel Geschichtliches haben sie ja nicht. 

Amish-Country Battlefield Gettysburg

Von Harrisburg ging es dann quer durch das Land über Williamsport nach Buffalo, dort erwartete uns mit den Niagara-Fällen ein weiteres Highlight unserer Reise. Überraschung Nr.1: Auf USA- Seite wird oft nur der amerikanische Wasserfall erwähnt und beschrieben, der ja schon recht beeindruckend ist. Aber um die Ecke ist da noch einer: größer, schöner, mächtiger, der kanadische Teil der Niagara-Fälle, die sog. Horseshoe Falls ( weil sie die Form eines Hufeisens haben!). Und in Kanada, wenn man über die Rainbow-Bridge nach drüben fährt, ist alles viel sauberer und gepflegter. Aber auch vielbesuchter, Touristen ohne Ende und so viele Japaner, so dass man den Eindruck hat, in dem fernöstlichen Land arbeitet keiner mehr. Wir sind dann auf den Skylon-Tower (159m hoch) gefahren und hatten einen überwältigenden Überblick über beide Wasserfälle. Man kann mit einem Boot direkt unter die donnernden Fluten fahren, mit Schutzkleidung natürlich. "Maid of the Mist" nennen sich die Schiffe. 

American Falls

Horseshoe Falls

Maid of the Mist

Besucher-Andrang

Dann fuhren wir weiter am Ontario-See entlang bis Rochester, von dort an den Finger-Lakes vorbei über Albany, Woodstock in die White Mountains. Hier wollten wir den berühmten "Indian Summer" erleben, also die besondere Laubfärbung im Norden der USA. Leider kamen wir etwas zu früh ( 24.9.-27.9 ) und nur in den Höhenlagen der White Mountains sahen wir einiges vom dem Farbwunder der Natur. Aber Landschaft und wunderschöne Seen, fast wie in der Schweiz, erfreuten uns. 

White Mountains Indian Summer Ein Hörnchen

Über Portsmouth an der Atlantik Küste ging es dann zurück nach Boston. Hier hatten wir am Airport nach dem Einchecken noch 6 Stunden Zeit zu einem zweiten Stadtbummel per U-Bahn. Wir sind in den 3 Wochen ca. 4750 km gefahren mit unserem Alamo-Leihwagen, ohne irgendwelche Probleme und waren nach unserer 3. USA-Reise wieder total begeistert von dem Land und von allem, was wir erlebt und gesehen haben.

Eine nette Begebenheit muss ich noch erwähnen: Es war die Zeit vor Halloween, und in allen Gärtnereien wurden die gelben Kürbisse angeboten und auch "Fallenmums". Wir  haben lange überlegt, was das wohl sein kann. "Gefallene Mütter" sicherlich nicht, aber dann kam uns die Erleuchtung. "fall" ist der Herbst in amerikanischem Englisch, und "mums" sind Mumies, also eine Herbstaster.

Kürbisse für Halloween Mumies